Die Welt ist eine Scheibe
Breaking through to the other side
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20. Jul
… wenn es um das Thema Internet geht – das behauptet zumindest der Vorsitzende des Bundes der Kriminalbeamten, Klaus Jansen. Offenbar um das zu beweisen fordert er im Interview mit der neuen Osnabrücker Zeitung, dass alle, die im Internet Geschäfte treiben wollen, sich vorher bei einer staatlichen Stelle registrieren sollen. Bei Golem wird das richtigerweise mit einem Supermarkt verglichen, der ohne staatliche Kundenregistrierung keine Lebensmittel verkaufen darf.
Als sei das noch nicht absurd genug fängt er auch noch an, von einem “Reset-Knopf” für das Internet zu phantasieren, mit dem im Falle eines Angriffs durch “Cyber-Terroristen” Deutschland vom Internet abgekoppelt werden soll.
Das ist – abgesehen von der sich offenbarenden, völlig naiven Vorstellung von der Funktionsweise des Internet - ungefähr so, als würde man Häuser, an denen sich ein Einbrecher zu schaffen machen, präventiv sprengen.
Der Schaden der durch eine solche Abkoppelung entstünde, würde jeden vernünftigerweise zu erwartenden Schaden durch den ursprünglichen Angriff um ein Vielfaches übersteigen. Nicht umsonst in eine beliebte Angriffsform als DoS bekannt – Denial of Service, also genau das Verhindern der Kommunikation mit dem Internet. Und jetzt sollen wir, sobald wir angegriffen werden, uns selbst von der Kommunikation abschneiden?
Überhaupt hat Herr Jansen offenbar keinerlei Vorstellung was Cyberwar anrichten kann… er vergleicht das Szenario doch ernsthaft mit Atombombenexplosionen.
Es wird ja immer wieder behauptet, dass solche Cyberkriege permanent stattfänden – nur seltsamerweise sind mir die Millionen an Toten, die in Schutt und Asche gelegten Städte und die Kinder, die deshalb mit Missbildungen geboren werden, irgendwie entgangen…
Jansen jammert dann auch noch etwas, dass das Internet der größte Tatort der Welt geworden sei, was angesichts geschätzter 1,5 Milliarden Nutzer auch nicht wirklich verwunderlich ist – und sieht bei diesem weltweiten Problem die Bundesregierung in der Pflicht. Ich war überrascht, dass er nicht gesagt hat: “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein”.
Wenn ich den BDK-Vorsitzenden richtig verstanden habe, dann werden wir demnächst auch die Polizei rufen können, wenn wir uns einen Virus oder Trojaner eingefangen haben – die Polizei brauche nämlich das Recht „Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen“ – da bin ich aber gespannt. Hilft die Polizei demnächst auch bei Treiberproblemen?
Ich sehe eigentlich nur zwei Erklärungen für Jansens Vorschläge: entweder er und seine Berater gehören zu den 99% der Internet-inkompetenten Polizisten oder er will Angst schüren, um repressiven Maßnahmen wie einer Registrierungspflicht den Boden zu bereiten.
Oder beides.
13. Jul
Ich habe mir neulich bei eBay eine von diesen kleinen Schlüsselanhänger-Kameras aka Key Chain Cams gekauft. Die schlecht maschinenübersetzte Anleitung hilft auch nicht wirklich weiter, wenn man die Uhrzeit und das Datum einstellen will.
Nach ein wenig Sucherei habe ich aber herausgefunden, wie man bei der Key Chain Cam 808 (das dürfte im Moment die meist Verkaufte sein) das Datum und die Uhrzeit einstellen kann. Und zwar so:
[date] 2010/09/04 00:14:01Das war’s, jetzt sollte das angezeigte Datum der Key Chain Cam stimmen. Die Datei tag.txt wird automatisch von der Schlüsselanhänger-Kamera gelöscht, darum braucht man sich nicht zu kümmern.
Viel Spass mit der Kamera, die sich hervorragend auf ferngesteuerten Fahrzeugen macht. Bei Gelegenheit muss ich die mal mit einem Drachen steigen lassen.
13. Jul
Wer, wie ich, gerne auf mit sshfs-gemounteten Filesystemen Software entwickelt, kennt wahrscheinlich das Problem inkompatibler svn-Versionen.
Immer, wenn ich eine der eingebauten Subversion Funktionen der IDE nutze, aktualisiert die IDE das Arbeitsverzeichnis auf dem Server auf die aktuelle svn-Version.
Leider ist aber das Subversion auf dem Server nicht ganz so neu, was dazu führt, dass ich dann auf der Kommandozeile keine svn-Operationen mehr ausführen kann.Die entsprechende Fehlermeldung sieht dann etwa so aus:
svn: This client is too old to work with working copy 'xyz'.
Da das nicht nur mich, sondern auch alle Kollegen betrifft, die auf dem System arbeiten wollen ist die Option, dann eben nur noch die IDE einzusetzen, keine echte Option.
Glücklicherweise sind die Strukturen der subversion Arbeitsverzeichnisse so ähnlich, dass sie einfach von einer in die andere Version umgewandelt werden können.
Dazu gibt es auf den Servern der Apache Foundation ein kleines Python Script, welches das schnell und unkompliziert erledigt.
Aufgerufen wird das Ganze so:
python change-svn-wc-format.py <working copy directory> <svn-version>
<svn-version> ist einer der Werte 1.4, 1.5 oder 1.6
Ich hoffe, dass dieser Post euch die Suche nach dem Skript ein wenig verkürzt.
12. Jul
„Wenn es mir nicht gelingt, ein vernünftiges Gesundheitssystem auf den Weg zu bringen, dann will mich keiner mehr als Gesundheitsminister haben“
- Philipp Rösler
Recht hat er. Wie schon so viele vor ihm ist auch Rösler an der zugegebenermassen schwierigen Aufgabe gescheitert, das Gesundheitsystem auf solide Beine zu stellen. Jetzt sollte er bitteschön auch Größe beweisen und zu seiner Einsicht, dass ihn niemand mehr haben wil, auch die passende Handlung finden und zurücktreten.
Unter http://gesundheitsreform.fdp.de kann man unter der Überschrift “Desolate Ausgangslage” lesen:
Die Folge war ein nicht zukunftsfähiges, weil mit Zuschüssen aus Steuergeldern künstlich zusammengehaltenes System.
Mir war zwar neu, dass alles, was mit Steuergeldern bezuschusst wird genau deshalb zum Scheitern verurteilt wäre, aber sei’s drum.
Und? Was wird jetzt nach Willen der FDP oder zumindest Röslers besser? Lesen wir ein paar Zeilen weiter:
Für einkommensschwächere Versicherte wird ein aus Steuermitteln finanzierter Sozialausgleich verhindern, dass der Zusatzbeitrag sie überfordert.
Also:
Früher: Zuschüsse aus Steuermitteln – Muss scheitern, weil von der SPD
Bald: Zuschüsse aus Steuermitteln – Der grosse Wurf, weil von der FDP
Für wie blöd halten die uns eigentlich?
Aber Veränderungen gibt es tatsächlich:
Damit niemand überlastet wird, wird die bestehende simple Deckelung der Zusatzbeiträge von 1% auf 2% erhöht – neu aber: mit kompliziertem Berechnungssystem.
Damit bleibt dann vermutlich nach den Rechnungen aus dem Gesundheitsministerium das versprochene “mehr Netto von Brutto” oder so. Aber von der FDP wissen wir ja auch, dass sie (18% – wer erinnert sich noch) ein eher lockeres Verhältnis zu Prozentzahlen hat
Ausserdem soll nach Willen Röslers die Begrenzung des Krankenkassen-Zusatzbeitrages wegfallen. Damit entfällt für die Krankenkassen, die ja einen nicht unerheblichen Anteil an der wirtschaftlichen Schieflage des Gesundheitsystems haben, jeglicher Druck zu sparen. Natürlich: weniger Zusatzbeitrag ist ein Wettbewerbsvorteil, aber ich denke, wir können fest mit steigenden Zusatzbeiträgen rechnen – wettet jemand dagegen?
Apropos steigen: Steigen werden auch die Beitragssätze. Einmalig auch für Arbeitgeber, in Zukunft aber nur noch für Arbeitnehmer.
Die FDP behauptet zwar, dass es keine Erhöhung wäre sondern nur eine Aufhebung der Senkung, aber festzuhalten bleibt: sollte die Gesundheitsreform in Kraft treten, werden die Beitragssätze höher sein, als sie jetzt sind, also: gestiegen sein.
Mit der in Zukunft einseitigen Belastung der Arbeitnehmer sollen die Lohnnebenkosten stabil gehalten werden. Offenbar leben die Leute im Gesundheitsministerium doch sehr in einem Elfenbeinturm in dem es egal ist, ob 50 Euro mehr oder weniger auf dem Konto sind.
Viele Arbeitnehmer haben diesen Luxus aber nicht. Und das heisst, dass der durch steigende Beitragssätze und Zusatzbeiträge ausgehungerte Geldbeutel der Arbeitnehmer entweder durch die Arbeitgeber mit mehr Gehalt wieder aufgefüllt werden muss – was dann auch wieder zu gestiegenen Lohnkosten führt, oder dass die Binnennachfrage fällt, weil einfach das Geld nicht mehr da ist – was durch entgangene Gewinne auch wieder den Arbeitnehmern Geld kostet.
Es ist nicht möglich – selbst wenn man so asozial sein sollte, das zu wollen – die Kostensteigerungen in der Gesundheitsvorsorge einseitig den Patienten aufzuzwingen. Ein Gemeinwesen ist nicht nur eine Solidargemeinschaft sondern nolens volens auch eine Schicksalsgemeinschaft. Man kann, wie die Regierung eindrucksvoll beweist, zwar an den Schwächsten der Gesellschaft sparen, aber allzuoft funktioniert das nur sehr kurzfristig und die Gesamtbilanz sieht wieder ganz anders aus.
Rösler hat in seinem neuen Vorschlag zwar einiges geändert, aber eine Verbesserung habe ich dabei nirgends finden können.
Der Minister geht davon aus, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiter steigen werden – das klingt auch für mich wahrscheinlich, nicht nur, weil moderne Medizin teurer ist als schamanistisches herumgehopse oder katholisches Gesundbeten, sondern vor allem auch weil gute Lobbyarbeit wirkliche Strukturveränderung wie die Einführung von Positvlisten für Medikamente verhindert.
Was passiert also, wenn die Kosten im Gesundheitswesen steigen? Auch die Zusatzbeiträge steigen. Und dann? Dann werden automatisch die Steuermittel aufgestockt, weil mehr Menschen an das 2%-Limit kommen. Der Anteil der Zuschüsse aus Steuermitteln wird also auch steigen.
Und was dann passiert ist klar, denn wir wissen ja von der FDP-Seite: wenn etwas mit Steuermitteln subventioniert wird, dann muss es einfach scheitern.
11. Jul
Vor einigen Tagen hat mir ein guter Freund diesen Abschiedsbrief an die Linke geschickt – mit der Bemerkung, dass es treffender nicht auszudrücken sei…
Ganz so sehe ich das nicht: freilich, gut geschrieben ist der Text, wie von der SZ auch nicht anders zu erwarten – aber inhaltlich habe ich doch ein paar Probleme damit, nach der unseligen Wahl Christian Wulffs die Schuld bei der Linken zu suchen.
Zum einen das ganz Offensichtliche: Wulff hat im dritten Wahlgang die absolute Mehrheit errungen. Egal, was die Wahlmänner und -frauen der Linken getan hätten: den Ausgang der Wahl hätte das nicht verändert.
Zum anderen aber ist die Erwartung an die Linke, einen linken Kandidaten zu wählen, zwar nachvollziehbar, aber auch ein bisschen naiv: Kandidaten, die einer Partei öffentlich und mit viel Medienwirksamkeit die Regierungsfähigkeit absprechen, sollten nicht damit rechnen, wenige Tage später die Stimmen eben jener Partei zu bekommen. Ich kann zwar nicht Gedanken lesen, aber ich glaube auch nicht, dass Herr Gauck sich die Stimmen der Linken gewünscht hätte. Joachim Gauck ist mit Sicherheit intelligent genug, um gewusst zu haben, dass seine Aussagen über die Linke ihm die Chance nehmen werden, von den Stimmen der Gescholtenen zu profitieren.
Das aber passt zu Gauck: er ist ja genau deshalb so geachtet – über alle Parteigrenzen hinweg – weil er sich durch persönliche Nachteile nicht davon abhalten lässt, für seine Überzeugungen einzustehen.
Denn gute Gründe, die Linke nicht zu wählen und sie nicht mit Regierungsverantwortung sehen zu wollen gibt es durchaus: sei es die immer noch fehlende Distanzierung – auch personeller Art – von der SED-Vergangenheit, sei es der Populist Lafontaine an der Spitze der Partei.
Früher, als die Partei noch PDS hiess, habe ich sie schonmal gewählt, aber die Verstrickung vieler Mitglieder in die Schattenseiten der DDR-Vergangenheit haben mich schon damals das Kreuzchen nur halbherzig machen lassen – nur leider hat man als Pazifist keine andere Wahl, will man seine Stimme nicht verschenken.
Aber spätestens seit dem Zusammenschluss mir der WASG ist die Partei nicht mehr wählbar – Gysi ist tatsächich, wie im erwähnten Artikel geschrieben wurde, einer der sympathischten und intelligentesten Politiker dieses Landes – aber Lafontaine halte ich für einen gefährlichen Zündler…
08. Jul
Gerade hab ich von einem Freund ein cooles Wallpaper für das iPhone gezeigt bekommen:
Downloaden kann man das Ganze bei http://www.madin.jp/diary/?date=20100622 – leider ist die Seite zur Zeit ziemlich überlastet – es kann also sein, dass man das öfter versuchen muss.
Wer also Spass an 8-bit-retro-style hat, wird damit wohl auf seine Kosten kommen.
07. Jul
Vor knapp einer Woche hat das Volk die Bundesversammlung einen neuen Bundespräsidenten gewählt. Während z.B. eine im Stern veröffentlichte Forsa-Umfrage Joachim Gauck als klaren Favoriten sieht (42% für Gauck, 32% für Wulff) sieht das in der Bundesversammlung ganz anders aus. Wie wir alle wissen, hat die Bundesversammlung sich gegen das Volk gestellt und Christian Wulff gewählt.
Hier regiert nicht der Volkswille sondern zur einen Hälfte die mittels eines verfassungswidrigen Modus’ (Urteil des BVerfG, 2 BvC 1/07, 2 BvC 7/07 vom 3. Juli 2008) gewählten Mitglieder des Deutschen Bundestages und zur anderen Hälfte aus von den Landesparlamenten entsandten, aber nicht weisungsgebundenen Wahlmännern und -frauen.
Nochmal: der Bundespräsident wird nicht vom Volk gewählt, sondern von gut 1000 Leuten, die geheim und ungebunden abstimmen, die also bei dieser Wahl tun und lassen können was sie wollen, ohne dass jemand sie danach zum Beispiel durch geändertes Wahlverhalten zur Rechenschaft ziehen könnte. Damit ist die Besetzung des Amtes des Bundespräsidenten jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Das Ergebnis kennen wir.
“Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus” – so steht es in Art. 20 GG – und weiter: “Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen [...] ausgeübt.”
An die letzte Wahl kann ich mich erinnern – aber eine Abstimmung auf Bundesebene? Die steht uns zwar laut Grundgesetz zu (“… und Abstimmungen …”), aber stattgefunden hat, soweit ich mich erinnere, keine.
Welches Amt, wenn nicht das des höchsten Repräsentanten des Volkes, hätte eine direkte Abstimmung verdient?
21. Nov
Bisher hatte das Beschleunigerexperiment LHC am CERN ja nicht viel Glück gehabt, zuerst nach nur neun Betriebstagen ein Leck im Kühlsystem, dass das System für ein gutes Jahr ausser Gefecht gesetzt hat, jetzt ist es offenbar nochmal kurz spannend geworden, und der Übeltäter diesmal war ein – tataa:Baguette auf den Stromschienen.
Mittlerweile sind offenbar auch die Essensreste weggeräumt und der Partikelstrahl zirkuliert wieder. Soweit war das LHC schon vor einem Jahr.
Hoffentlich wird das größte Beschleunigerexperiment aller Zeiten jetzt nicht wieder durch solche Banalitäten zurückgeworfen, sondern kann sich endlich vernünftiger Wissenschaft widmen.
Wer mehr Einblick in die Arbeit der Physiker in Genf haben möchte, kann sich die Webcams ansehen.
20. Nov
Kommt es nur mir so vor? Jedenfalls scheint in letzter Zeit überall jeder was über “molekulare Küche” zu erzählen. Das ganze klingt ganz spannend, aber leider bekommt man die nötigen Zutaten scheinbar nur schwer (oder in grossen Mengen, also nicht gerade toll zum ausprobieren).
Aber beim Asiaten hab ich neulich dann doch ein Päckchen Agar Agar gesehen und mitgenommen.
Und jetzt hab ich einfach mal ein bisschen rumgespielt und herausgekommen ist:

Ich finde, das sieht recht ansprechend aus – nur hübschere, komplett weisse Teller wären mal nett. Das Ganze schmeckt wie normale Gemüsebrühe, aber von der Konsistenz ist das eher wie Tortenguss. Mal was anderes. Eine tolle Anwendung muss ich mir noch überlegen, als essbare Deko dürften die Rauten schonmal durchgehen. Der Aufwand hält sich auch in Grenzen.
Für alle, die weiter experimentieren wollen, hier also das Rezept:
300ml Gemüsebrühe kochen, 1 gehäuften Teelöffel Agar Agar einrühren, ca. 2 Minuten kochen lassen und dann auf einen flachen, kalten Teller ausgiessen, bis die Schicht die gewünschte Dicke (ca. 2mm) hat. Beim Abkühlen geliert die Brühe recht flott und kann dann in Rauten geschnitten, mit Ausstechförmchen bearbeitet, etc. werden.
15. Nov
Am letzten Sonntag habe ich an einem Insektenkochkurs teilgenommen. Den Gutschein dafür hab ich zum Geburtstag bekommen (und ich hab mir das auch gewünscht) – vielen Dank nochmal!
Ich war ja schon gespannt, wie sehr die Hemmschwelle da sein würde, die Tiere dann auch wirklich zu essen und nicht nur theoretisch zu sagen, dass man das schon versuchen würde. Mir war auch nicht ganz klar, ob der Kurs eher auf Schockeffekte und Mutproben ausgerichtet wäre oder sich ernsthaft mit der Zubereitung von Insekten beschäftigen würde.
Aber von Dschungelcamp-Feeling war glücklicherweise nichts zu spüren: zur Einstimmung wurden uns kleine Knabbersnacks serviert (Ameisen, Heuschrecken und Bambuswürmer), die es fertig zu kaufen gibt – und die auch wirklich lecker waren, der Tisch war sehr schön gedeckt und es gab passende Weine dazu. Der ganze Kurs war als kulinarisches Erlebnis konzipiert – und das sehr erfolgreich.
Danach haben wir dann gemeinsam ein Vier-Gänge-Menü zubereitet: zuerst hatten wir Spaghetti mit Ricotta-Mehlwurm-Sauce, das war lecker, und sicher auch gut als Einstieg geeignet, weil die kleinen Mehlwürmer natürlich weniger Überwindung kosten als die fetten Schwarzkäferlarven (siehe Bild). Allerdings war das Gericht für eine Vorspeise etwas sehr gehaltvoll und man war danach eigentlich schon fast satt.

Die Schwarzkäferlarven müssen vor dem Kochen von Kopf und Beinchen befreit werden.
Danach gab es das Wokgemüse mit Grillen, Heuschrecken, den erwähnten Schwarkäferlarven und als essbare Dekoration einen Skorpion (der Begriff “Insekten” wurde halt doch eher als Oberbegriff für “Krabbeltiere” aufgefasst. Aber mir ging es auch nicht um eine Biologiestunde). Das war wirklich ausgesprochen lecker und besonders mit einem (fertigen) Mango-Chilli-Chutney auch herrlich fruchtig. Im Gegensatz zur Mehlwurmsauce kam bei den Heuschrecken und den Schwarzkäferlarven auch der leicht nussige Eigengeschmack der Insekten besser zur Geltung. Überhaupt war ich überrascht, dass die Insekten eher durch ihre knackige Konsistenz wirken, als durch einen echten Eigengeschmack.

Wokgemüse mit Grillen, Heuschrecken und Schwarzkäferlarven, dazu ein Skorpion
Als dritten Gang haben wir einen Flammkuchen ganz ohne Insekten, aber mit Knollen-Ziest, einer speziellen Gemüseart, die sehr ungewöhnlich aussieht, zubereitet. Dieser Gang war wohl hauptsächlich eine Art Sicherheitsnetz für die Teilnehmer, die sich doch nicht zum essen der Insekten überwinden konnten (was bei unserrem Kurs aber nicht nötig gewesen wäre).
Den Abschluss bildete ein Vanilleeis mit Heuschrecken in Schokolade. Dabei kam der Heuschreckengeschmack am besten zur Geltung. Ausserdem hatten wir uns bis zum Dessert schon einigermassen an Insekten auf dem Teller gewöhnt, so dass es -zumindest mich- auch keine Überwindung mehr gekostet hat und ich mich wirklich auf den Geschmack einlassen konnte.

Die Heuschrecken wurden von Sprungbeinen und Flügeln befreit, um eine Verletzungsgefahr beim kauen auszuschliessen.
Als Digestif bekamen wir einen leckeren Mezcal, aber ein Wurm in einer Flasche konnte keinen mehr beeindrucken
.
Insgesamt war der Kochkurs ein sehr interessantes Erlebnis, das mir viel Spass gemacht hat. Deshalb erlaube ich mir auch ein wenig Werbung: das ganze fand bei barbara’s wine-yards in Schwetzingen statt und unser “Chefkoch” war Dirk Lentz, der uns einen sehr unterhaltsamen Nachmittag bereitete und auch mit allgemeinen Kochtipps nicht geizte (jetzt weiss ich endlich, das zum Ingwerschälen das Abkrazen der Schale mit einem Löffel viel besser ist, als ein Sparschäler und auch Paprika schneide ich seitdem ganz anders.).
Entschuldigen möchte ich mich für die “Qualität” der Fotos: ich hatte nur mein iPhone dabei und die Kamera in diesem Handy ist, nunja, nicht wirklich auf dem aktuellen Stand der Technik. Eventuell bekomme ich noch Fotos von “Kollegen”, dann liefere ich bessere Bilder nach (wenn ich darf).